Remo Schällibaum – helfen als Passion und aus Überzeugung
Wie alles, was Remo Schällibaum anfasst, widmet er sich nun auch der Ukraine-Hilfe zu 1000%. Engagiert, kreativ und zielführend verfolgt er sein Engagement für das kriegsgebeutelte Land. Und wie alle seine Projekte, hat auch die Ukraine-Hilfe eine bewundernswerte Effizienz erreicht. Aus einer spontanen Hilfsaktion ist schon fast ein Unternehmen geworden. Mit dem Resultat, dass in den ersten Wochen seines Engagements bereits fast 100 Tonnen Hilfsgüter den Zielort erreicht haben – und weitere Lieferungen in noch grösserem Umfang geplant sind.
Doch wie ist es dazu gekommen?
Der 28. Februar, Tag vier nach Kriegsbeginn, der letzte Ferientag von Remo Schällibaum markiert den Start seines Engagements. Es entstand die Idee, in seinen beiden Restaurants dem „Landgasthof Leuen“ und „Dörfli“, beide in Uitikon Waldegg ein Ukraine-Menue anzubieten, aus dessen Verkauf jeweils 10.- CHF (je 5.- durch den Gast und den Gastgeber) gespendet werden. „Dieser entsetzliche Krieg im Vorzimmer von Europa ist eine humanitäre Katastrophe“ formuliert Remo Schällibaum seine ersten Gedanken dazu. Sein Interesse, seine Ideen, seine Tatkraft waren geweckt. Durch sein langjähriges, karitatives Engagement bei YOUTH CLASSICS (ein Verein zur Förderung von Hochbegabten Musikern) hatte er gute Kontakte auch in die Ukraine und nach Russland. So konnte er sich selbst ein Bild machen und wurde in seinem Entscheid zu helfen mehr als bekräftigt.
Aus seinen geschäftlichen Tätigkeiten hatte er kurz vor dem Krieg 50 Einzelbetten dem Swissotel Zürich Oerlikon abgekauft. Diese wollte er teils in seinem Landgasthof (der über 15 Zimmer verfügt), teils aber auch für karitative Zwecke in der Schweiz, einsetzen. Am 1. März entschied er, dass die 50 Betten in die Ukraine gehen sollen – ein weiterer wichtiger Schritt in seiner Projektfindung. Und da die 50 Betten einen Container nicht ausfüllen würden, entscheid der engagierte Unternehmer am 2. März Abends per Whatsapp seinem Netzwerk eine Nachricht zukommen zu lassen, mit der Bitte, sich ebenfalls zu engagieren. Er hoffte so, einen LKW Container füllen zu können. Bereits am 3. März am morgen früh, er wäre gerade aufgewacht, wie er schmunzelnd anfügt, dann die Überraschung: eine beeindruckende und überraschende Fülle an Zusagen aus den verschiedensten Bereichen und Branchen haben seine Inbox über Nacht gefüllt. „Es war der Teufel los, die Unterstützung war überwältigend“ meint er im Rückblick.
Es kam was kommen musste: bei einem Container blieb es nicht. Umtriebig und sehr gut vernetzt sorgt Remo Schällibaum seit knapp zwei Wochen für eine der wohl grössten Einzel-Hilfsaktionen aus der Schweiz. Dank seiner Stiftung (seit vielen Jahren unterstützt die Remo, Anke und Avy Schällibaum Stiftung verschiedene karitative Projekte in der Schweiz und dem Ausland) war ein Handling etwas einfacher – dennoch aber noch komplex genug.
Ein komplexes Projekt
Um nur ein paar der vielen neuen Aufgaben in die sich Remo Schällibaum eindenken musste zu nennen: Logistik und Verzollung. Während in der Schweiz ein komplizierter, erschwerender Prozess von Nöten war (jedes Einzelstück und sei es eine Flasche Mineralwasser oder ein T-Shirt musste registriert und verzollt werden), 3 Stunden Abfertigungszeit für alle Formalitäten bis die Schweiz verlassen werden konnte…war es bei den nachfolgenden Grenzen ein Leichtes bis nach Polen – und schlussendlich in einem finalen Kraftakt in die Ukraine zu gelangen. Oder die Auswahl des Verteilzentrums vor Ort. Deren standen vier zur Auswahl die Remo Schällibaum genauestens geprüft hat. Dabei fiel die Wahl auf dasjenige vom „Haus der Hoffnung“, nahe Lemberg. Dieses von einer deutschen NGO betriebene Verteilzentrum mit rund 60 ehrenamtlichen Mitarbeitenden wurde gewählt, weil ein täglicher Kontakt mit dem Logistikchef (in Deutsch) möglich war und weil diese Hilfsorganisation jeweils genau weiss, was gebraucht wird – und die Feinverteilung vor Ort selbst übernimmt, mit Kleinlaster oder gar privaten Personenwagen. „Das sind erfahrene Logistiker, die wissen wo was gebraucht wird“ meint Remo Schällibaum zu seiner Wahl.
Ablauf einer Aktion
Am Donnerstag, 10 März gegen Mittag verliessen die ersten drei Lastwagen mit Anhänger die Sammelstelle in Schlieren. Sie hatten Fracht im Umfang von rund 66 Tonnen geladen. Am Sonntagmorgen um 03:45 Uhr erreichte das Schällibaum-Team mit Chauffeuren und Fotografin die Polnisch-Ukrainische Grenze, nach rund 1500 Kilometer Fahrt. Vorgesehen war eine Übergabe der Ware an der Grenze. Entweder durch Lastwagen, die von der Ukraine nach Polen kommen und umladen, oder Ukrainische Fahrer, die mit den Schweizer Lastwagen bis zum Lager fahren. Zum einen schien beides nicht praktikabel und da die drei Lastenschlepper bereits in einer endlosen Kolonne an Fahrzeugen stand, die Schritt für Schritt Richtung Ukrainische Grenze vorwärts kamen, „passierte“ am Ende nach knapp 10 Stunden Wartezeit der Grenzübertritt gleich direkt durch das Schällibaum-Team. Ein finaler Streckenabschnitt nicht ohne Gefahren aber mit – ebenfalls aus der Schweiz organisiertem – Begleitschutz folgte bis in die Nähe von Lemberg. Am Samstag wurde im grossen Lager abgeladen und bereits um 17.00 Uhr waren die drei Chauffeure wieder an der polnischen Grenze. Bis nach Schlieren zurück sollte es dann Dienstag 15. März werden. 6 Tage über die die Betroffenen viel erzählen können und die ein Leben lang in prägender Erinnerung bleiben werden.
Ware, Ware, Ware
In täglicher Absprache mit Lemberg steuert Remo Schällibaum seit Tagen den Waren-Spendenfluss. Man kommt ins Staunen, hört man ihm beim Auflisten der Ware zu: 54 Palletten Arbeits-, Schutz- und Winterkleider, zwei Occassions Autos, 17 Palletten Nahrungsmittel und Nahrungszusatzmittel, 20 Paletten Knutwiler Mineralwasser, 1 Palett WC Papier, 4 Paletten Schüwo-Säfte und so weiter und so fort…
Nächste Schritte und Aktionen
Ein zweiter Transport ist per 22./23. März geplant und ein dritter, wohl vorderhand letzter Transport Ende des Monats. Gefragt, wann er seine Hilfe beenden will, antwortet Remo Schällibaum schulterzuckend: „Wer wird schon wissen, wann der Krieg fertig ist und wer ihn gewinnen wird, resp. welche Situation danach in der Ukraine herrscht“. Man kann aber davon ausgehen, auch wenn Remo Schällibaum sich auf ein Ende seines Engagements „um Ostern rum“ eingestellt hat – er wird helfen so lange es nötig ist.
Nächste Daten
Die Sammelstelle in Schlieren ist weiterhin an folgenden Tagen offen:
Jeweils Mittwoch und Samstag von 14:00 – 16:00 Uhr
Kontakt
Herr Remo Schällibaum
remo.schaellibaum@redu.ch
079 679 06 66
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